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Die Ironie der Konsolenwelt will es, dass gerade die Firma, die der Inbegriff für elektronische Kinderspiele geworden ist, hier in die Bresche springt: Nintendo. Die Erfinder des Gameboy haben es zunächst mit dessen Nachfolger „Nintendo DS„ geschafft, dem gestressten Arbeitnehmer das ideale Gerät für den kleinen Spiel-Kick zwischendurch in die Hand zu geben. Mit Gehirntraining, Englischlehrer und einigen Tetris-Ablegern ist es gelungen, auch in Europa ein Massenpublikum für das mobile Spielen zu erreichen. Mag auch die Grafik nicht an Konkurrenzprodukte wie die Sony PSP heranreichen, macht doch gerade die einfache Handhabung mit intutiver Touchscreen-Eingabe den besonderen Reiz des DS aus.
Diesen Erfolg will Nintendo nun seit dem 08. Dezember 2006 mit der Wii in Europa wiederholen. Und vieles deutet darauf hin, dass es erneut gelingt, mit zwar schlechterer Grafik, aber hohem Spielwitz die Wohnzimmer nicht nur der Familien mit Kindern zu erobern.
Was die Wii so einzigartig macht, ist ihr Eingabegerät. Es sieht aus wie eine Fernbedie-nung und ermöglicht das freie Handtieren im Raum vor dem Bildschirm. Bewegungssen-soren und ein Infrarotempfänger am Fernseher registrieren die Bewegung des Geräts im Raum und übermitteln sie per Funk an die Konsole. Wer Bowling spielt, hält den Kontroller wie einen Ball und macht die echte Bewegung des Werfens der Kugel nach. Beim Tennis wird der Kontroller zum Schläger, der sowohl Aufschlag, Vorhand und Rückhand erkennt. Und Schwertkämpe enden im wilden Gefuchtel, bei dem Acht gegeben werden sollte, keine umherstehenden Gegenstände zu treffen.
Die Eingabe und Umsetzung im Spiel funktioniert erstaunlich realistisch. Selbst geringe Bewegungen im Handgelenk bringen die virtuelle Bowlingkugel nach dem Wurf zum Driften nach links oder rechts. Zugefügt werden kann ein kleiner Zusatzkontroller, der in der anderen Hand gehalten wird und neben einer abgespeckten Schüttelerkennung auch einen kleinen Joystick für die klassische Steuerungen von Bewegungen erlaubt. Damit ist es etwa beim Boxen möglich, schweißtreibend auf den virtuellen Gegener beidhändig einzudreschen.
Eine Domäne der Wii sind bisher die kleinen Spiele für zwischendurch. Eine lange Anleitung ist hier meist nicht notwendig. Viele der Spiele sind Dank der intuitiven Steuerung selbsterklärend. Damit ist die Wii gerade für Gelegenheitsspieler interessant, die mal eine kurze Partie Golf oder Dosenschießen zwischenschieben wollen. Besonders reizvoll ist es, wenn es an den Wettkampf mit mindestens einer weiteren Person geht. Und wie beim echten Bowling hat man dort dann zwischen den Würfen genügend Zeit, etwas zu trinken und gute Ratschläge zu erteilen.
Dass die Grafik auf dem Niveau einer „alten„ Xbox liegt und damit eine Generation zurück ist, fällt bei den meisten Kurzspielen nicht weiter auf. Doch auch wenn die Wii mit 250,- Euro weit günstiger in der Anschaffung ist, als die Xbox 360 oder die Playstation 3, sollte man sich nicht blenden lassen. Will man noch einen zweiten Kontroller mit der Erweiterung für die andere Hand, kommen noch einmal mindestens 60,- Euro dazu. Die Spiele kosten in der Regel ebenfalls knapp unter 60,- Euro. Immerhin ist Wii Sport mit besagtem Bowling, Tennis, Boxen, Golf und Baseball schon in der Startpackung dabei.
Der Onlinezugang über WLAN funktioniert schon jetzt ganz gut, bietet aber bisher nicht mehr als Updates des Betriebsystems, Wettervorhersage, Internetsurfen, ein einfaches Email-System zur Kommunikation mit anderen Wii-Besitzern und den kostenpflichtigen Download älterer Konsolenspiele. Insbesondere das Spielen über das Internet wird von den aktuellen Spielen noch nicht unterstützt. Und will man mit einer anderen Person in Kontakt treten, müssen erst mühsam Zahlencodes ausgetauscht werden. Da ist die Xbox mit Xbox Live noch einige Schritte voraus. Nicht undenkbar, dass Nintento hier bald nachbessert. hk
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